Verein MUSIKFREUNDE STOCKERAU

Symphonieorchester DONAUPHILHARMONIE STOCKERAU gegr. 1920

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Nach dem ersten Weltkrieg fanden sich junge, glücklich heimkehrende Idealisten zusammen, um zu musizieren. Vorerst zu kleinen Musikabenden, doch bald drängte der bisher lose, kameradschaftliche Zusammenschluss nach einer gesetzlichen Form.

Am 9.8.1920 beschloss man in der ersten Hauptversammlung die Gründung eines Orchestervereins unter dem Namen „Musikfreunde Stockerau“, ein Name, mit dem die Gründer nicht nur ihr persönliches Verhältnis zur Musik bekunden, sondern auch die Tatsache unterstreichen wollten, dass jeder, der Lust und Liebe zur Musik verspürt – ohne Rücksicht auf Beruf, Stand und Herkunft – herzlich willkommen ist. Die Führung des neuen Vereins übernahm Herr Dir. Julius Zimmerl.

OrchestervereinStockerau1928

Durch fleißige Proben konnte im Herbst 1921 das erste symphonische Konzert unter Leitung des bekannten Stockerauers Dr. Bruno Kühnl stattfinden. Zum symphonischen Musizieren kam auch bald die Pflege der klassischen Kammermusik. Aber auch die Kirchenmusik fand dank der Musikfreunde immer wieder Gelegenheit, liturgisch und konzertant in Erscheinung zu treten. Im März 1927 fand bereits das 14. Symphoniekonzert unter der Mitwirkung von Frl. Mimi Pampichler, einer Schwester des bekannten Gründungsmitgliedes Franz Pampichler, als Beethovengedenkfeier statt.

Das politische Umbruchsjahr 1938 brachte mit der Auflösung aller Vereine auch den endgültigen Stillstand der Musikfreunde Stockerau. Nach den leidvollen Tagen des 2. Weltkrieges fand Ende 1949 der erste Versuch statt, Reste der alten Musikfreunde zu sammeln und ein neues musikalisches Leben zu beginnen. Am 7.12.1950 fanden sich 30 Musiker zur ersten Probe in der alten Kirchenschule unter der Leitung Josef Helfers ein. In der gegründeten Vereinsversammlung am 22.9.1951 wurde Julius Zimmerl neuerlich zum Obmann gewählt. In der Zwischenzeit hatte das Orchester, dank der mustergültigen musikalischen Arbeit aller Mitglieder, seine Konzerttätigkeit wieder begonnen und baute sie durch jährlich zwei Konzerte weiter aus. Auch die Kammermusikabende der Stadtgemeinde, sowie die Kirchenmusik wurden durch die Musikfreunde bereichert. Die Leistungsfähigkeit des Klangkörpers wurde durch zwei Proben wöchentlich derart gesteigert, dass es möglich wurde, ab 1956 drei Konzerte jährlich zu spielen. Zur Sicherung eines gewissen Stammpublikums wurden die drei Konzerte zu einem Konzertabonnement zusammengefasst, und damit der Grundstein zum finanziellen Überleben des Vereins gelegt.

„50 Jahre Musikfreunde“ gaben Grund zum Feiern – und für einige berühmte Stockerauer Anlass, wieder in ihre alte Heimatstadt zurückzukehren. Am 18.4.1970 kam es unter der Stabführung von Anton Altenburger zu einem glanzvollen Jubiläumskonzert. Der Abend wurde von einer festlichen Musik des Stockerauer Komponisten Ernst Vogel eingeleitet. Alfred Altenburger, Bruder des Dirigenten, Mitglied der Wiener Philharmoniker und sein Sohn Christian, heute bekannter Geigenvirtuose, spielten das Konzert für 2 Violinen von J. S. Bach. Auch der weitgereiste Klarinettist Friedrich Fuchs (Wiener Staatsoper) fand sich zu einem Solokonzert in Stockerau ein. In dieser Zeit waren außerdem Hr. Helfer, Willi Pollak und Anton Wohak als Dirigenten tätig, welche auch familiäre Kontakte zur Wiener Volks- und Staatsoper hatten. Dadurch konnten drind benötigte Substituten geworben werden, die regelmäßig die Lücken in der Besetzung füllten. (Willi Sommer, Niko Schynol, Karl Dvorak, Herbert Heide, Thomas Gröger,….). Willi Sommer war es auch, der in der Festspielzeit Operettenabende, mit sehr großem Erfolg, organisierte und dirigierte. Er war in dieser Zeit auch künstlerischer Leiter und Obmann; Konzertmeister war Günter Haller, Franz Hellnwein Stimmführer der 2. Geige. Nach seinem plötzlichen Tod im Jahr 1980 übernahm Herbert Heide die musikalische Leitung und Kurt Stefsky den Obmann. Leopld Schmetterer, Stimmführer der Bratschen, leitete die Neujahrskonzerrte.

Durch Hans Grabner, der seit einigen Jahren als Flötist im Orchester tätig war, kommt Dr. Rudolf Streicher mit den Stockerauer Musikfreunden in Kontakt. 1987 dirigierte Dr. Rudolf Streicher erstmals die Musikfreunde, als Solisten wirkten Hans Koll (Posthorn), Hans Grabner (Flöte) und Dora Riemer (Oboe). Es folgt das in Stockerau bekannte „Koalitionskonzert“ mit Heinrich Neisser am Klavier.

Außerdem konnten die Stockerauer Musikliebhaber unter seiner Leitung zwei bedeutende Solisten bewundern, Prof. Ludwig Streicher am Kontrabass, der schon vor vielen Jahren mit den Musikfreunden musizierte, und Kurt Lienbacher, den Solooboisten der Wiener Symphoniker.

Am 23.4.1994 dirigierte erstmals Konzertmeister Thomas Gröger, Mitglied des Wiener Volksopernorchesters, die Musikfreunde. Als Solist wirkte Kurt Franz Schmid, der Soloklarinettist des NÖ Tonkünstlerorchesters.

Das Orchester freut sich, wenn fallweise auch andere Dirigenten, auch aus dem Kreis der Mitglieder, ein Konzertprogramm gestalten. So konnte das Orchester in den letzten Jahren mit Leo Kappel und Gregor Sommer am Dirigentenpult einige interessante Projekte verwirklichen.

Rudolf Streicher und Thomas Gröger sind seit 25 Jahren bis heute 2020 – unserem 100. Jubiläumsjahr – das erfolgreiche künstlerische Duumvirat.

Besonders Rudi Streicher gelingt es immer wieder, durch geschickte Programm- und Solisten-Auswahl, gleich bleibend hohe Besucherzahlen bei unseren Abonnement-Konzerten zu erreichen. Sicherlich tragen zu diesem Erfolg sowohl sein Bekanntheitsgrad als auch seine lockere, offene Umgangsart mit den Musikern bei. Darüber hinaus erlauben ihm seine zahlreichen Verbindungen aus seiner früheren Politikerkarriere die Organisation von Gastkonzerten, die wesentlich zum sozialen Gefüge des Orchesters beitragen. So gab es im 90. Jubiläumsjahr bejubelte Tourneen nach Steyr, Kirchdorf, Wallsee und Klosterneuburg und im 99. nach Wien und Kittsee.

Rudi Streicher, the Frontman – im Hintergrund aber zieht unser Obmann Kurt Stefsky alle Register, um Sponsoren für unsere Konzerte aufzutreiben, was ihm auf Grund seiner engen Beziehungen zur Stadtgemeinde Stockerau und zu Wirtschafts- und Forstbetrieben in Österreich auch immer wieder gelingt.

2019 wurde aus Vermarktungsgründen beschlossen dem Orchester den Namen ‘Donauphilharmonie Stockerau’ zu geben.

Die Liebe zur Musik und der Wille, Musikprojekte durchzuführen, verbindet Menschen aller Berufs- und Sozialschichten zu einem Orchester, das nun immerhin seit 100 Jahren existiert, ein unverzichtbarer Faktor im Stockerauer Kulturleben geworden ist und hoffentlich noch lange bestehen wird.